Mittwoch, 19. Oktober 2016

19.10.2016 Wolle in Estland

Letzter Tag in Tallinn. Die Wohnung ist geputzt, die Sachen sind weitgehend gepackt. Um Platz zu schaffen, bringen wir gleich noch unsere Sommergardarobe und andere unnütze Sachen zum "Second Hand Giant".
Bevor ich nach Hause fahre, möchte ich noch allen Wollliebhaber/innen meine Erfahrungen weitergeben. Estland und insbesondere Tallinn sind Wollparadies- und Himmel zugleich. Egal, was man machen möchte, es gibt einfach alles. Auch für Nähbegeisterte ist es ein Paradies, diese Sparte habe ich ausgelassen. Auch fertig gestrickte Sachen sind reichlich im Angebot. Dabei natürlich auch der übliche Touristenschrott, aber auch tolle Stricksachen von hoher Qualität. Dafür lohnt es sich auch in den zahlreichen Second Hand Shops zu stöbern, Johannes hat drei sehr schöne Pullover gefunden. Besonders emphehlenswert sind die s.g. Kommissionsshops. Da kann man alles Selbstgestrickte hinbringen und es wird in einem Laden verkauft. Hierzulande werden diese Shops häufig von Rentnerinnen betrieben, die sich damit ihre Rente aufbessern.

In Pärnu gibt es einen solchen Laden in der Rüütli 1, im ersten OG
In Tallinn gibt es einen Kadriorg Käsitööpood in der Köleri 8, Mo.-Fr. 10.00-17.00
Es gibt beim Tourist office einen Plan von allen zertifizierten Handarbeitsläden in Estland. Das bedeutet, es gibt dort keinen Schrott, sondern der Region entsprechende Handarbeitskunst. 
In Tallin gibt es diese Läden in der Vene 12
Eesti Kasitöö Kodu, Pikk 22
Katariina Guild Vene (Das ist ein Hof, in dem es viele Werkstätten gibt.
                                                              
                                                                                                                                                       Jetzt geht es weiter zu den wahnsinns Wollläden:
Karnalkus, K.A. Hermanni 1, Eingang C
So einen riesigen Laden habe ich noch nie gesehen. Der Laden ist schwer zu finden. Er befindet sich im zweiten Stock des Hauses hinter einer Eisentür und man muss klingeln. Es gibt einfach alles hier, was mit Handarbeiten zu tun hat.Karnalkus
Im gleichen Block gibt es noch Abakhan Stoffe, Tartu mnt. 63Abakhan



Noch besser fand ich den Laden auf der anderen Straßenseite, Wool and Woolen, Tartu mnt. 60d
Hier ist das beste Wollparadies, was ich gesehen habe. Hier gibt es nicht nur Markengarne, sondern auch ganz viel estnische Wolle in Strängen und in allen Qualitäten. Wool and Woolen



















Es gibt in Tallinn noch zwei weitere nette Wollläden:
Namarie, Müürivahe 21
Liam Löngad, Kalda 7b und Gonsiori 2, Kaubamaja, section B, 1. OG
schwer zu finden, an der Seite des Kaubamaja, wo auch der Humana Laden ist.
Außerhalb von Tallinn sind dann die Produktionsstätten, die natürlich auch Fabrikverkauf machen.
Zwei habe ich auch besucht.
Lönga Liissu, Tartu mnt. 11, Pajusti, Vinni 46603 (nahe Rakvere) Lönga Liisu
Hier findet man vor allem qualitativ gute Strickkleidung. Die Firma hat seit einigen Jahren einen Weihnachtsmarktstand in Lübeck und Oldenburg. Die Chefin freut sich schon.


















Und dann noch der Wollhammer:
Aade Löng, Teemeisterei 1, RaasikuAade löng
Hier gibt es wunderschöne Schurwolle, die überall in Estland verkauft wird und ca. 30% preiswerter ist.


  Das war jetzt ein kleiner Spaziergang durch meinen Wollhimmel.

Montag, 17. Oktober 2016



Tallinn, 17.10.2017
Es ist kaum zu fassen, am Donnerstag verlassen wir Tallinn in Richtung Riga. Dort bleiben wir noch einige Tage und nehmen dann die Fähre von Liepaja nach Travemünde. Von dort aus besuchen wir in Flensburg noch Verwandte, bevor es am 30.10.2016 nach Bochum zurückgeht. Ich könnte jetzt, da ich mich in Tallinn eingelebt habe, tatsächlich ein ganzes Jahr bleiben. Aber wir kommen zurück und dann für länger. Eine Bedingung habe ich jedoch, wir brauchen eine Wohnung, die hell und warm ist. Wir haben uns schon mal in einigen Stadtteilen umgeschaut und unsere Favouriten sind Kadriorg, Pirita und Pöhla- Tallin (da wohnen wir jetzt). Unsere jetzige Wohnung ist eine sehr mager eingerichtete Ferienwohnung ohne Heizung und mit schummriger Beleuchtung. Man kann nur das Schlafzimmer mit einem Ofen und einer Art Klimaanlage heizen. Der Wohnraum bleibt kalt. Wir mussten hier leider die Erfahrung machen, dass unser "goldener Oktober" hier schon kalter und nebliger November ist. Die Menschen sind bereits im Wintermodus. Alle laufen in dicken Mänteln, Schals und Mützen herum. Mützen und Kapuzen sind wegen des kalten Windes von besonderer Bedeutung. Wir tragen auch Mützen. Die Wohnsituation wird auch in Tallinn angespannter, da es viele junge Leute anzieht. Auf der Fähre von Helsinki nach Tallin haben wir Brian aus Irland getroffen, der hier in Tallinn in der IT Branche arbeitet. Die Stadt befindet sich in einer Art Aufbruchstimmung. Hier in Pohla-Tallinn, das früher zum Hafengebiet gehörte, gibt es noch sehr viel Altbausubstanz, das heißt Holzhäuser. Manche sind grundsaniert, manche renoviert und manche sehen abbruchreif aus. In allen Kategorien wohnen völlig normale Menschen, vorwiegend junge Familien. Außer diesen Altbauten gibt es unglaublich viel Brachland und Industrieruinen, die nur langsam abgerissen werden und durch Neubebauungverändert werden. Die neue Wohnbebauung, häufig mit Meerblick, ist natürlich ziemlich teuer. Normal verdienende Esten können hier nicht wohnen. Viele junge Familien wohnen deshalb in diesem Stadtbezirk unter für uns einfachen Bedingungen. Die Wohnungen sind klein, haben meistens keinen Balkon, geheizt wird mit Holz und die Fenster sind schlecht. Die Elektrik liegt über Putz und ist störanfällig. Wir saßen schon einen Abend fast zwei Stunden im Dunkeln, weil Elektriker irgend etwas reparieren mussten. Die meisten Häuser haben keine Klingeln und Namensschilder, nur mit einem Anruf kann man eingelassen werden. Trotzdem wirken die meisten Menschen zufrieden und entspannt. In jedem Stadtteil gibt es grosse Parks und Freiflächen für Sport und Fitness. Bei uns ist es Pelguranna, das sind ca. zwei km Luftlinie von hier. Deshalb kommt Michelle in den Genuss, jeden Tag zum Strand zu gehen. Dort sind bei jedem Wetter Menschen unterwegs. Die Esten gehen gerne spazieren, joggen oder laufen Inliner. Das Rennradfahren ist noch nicht so verbreitet. Für die Kinder gibt es schöne Spielplätze und Bolzplätze, die großzügig gestaltet und vor allem sauber sind. Die Hundebesitzer halten sich an die Regeln, dass alle Hinterlassenschaften beseitigt und der Hund an der Leine geführt wird.
Für mich wird Tallin langsam vertrauter. Die Altstadt mit dem Domberg als Touristenmagnet meiden wir. Mittlerweile halten wir uns viel in unserem Viertel auf, weil ich auch keine Lust habe, jeden Tag etwas anderes zu besichtigen. Ganz in unserer Nähe, im Bereich von Telliskivi 60a gibt es die Muhu Bäckerei. Das Brot wir in ganz Estland als Spezialität der Insel Muhu verkauft und schmeckt selbst für unsere verwöhnten Brotgaumen, recht gut. In Estland hat jedes Brot einen süssen Nachgeschmack.
Wenn ich jetzt erzählen soll, was wir den ganzen Tag so machen, fällt mir zunächst gar nicht so viel ein. Wir spazieren viel durch die verschiedesten Bezirke der Stadt und verweilen dort, wo es uns gefällt. Wir kaufen auf dem Russenmarkt am Balti Jaam ein, solange es ihn noch gibt. Ich schlendere durch die Shopping Malls auf der Suche nach einem Wintermantel. Samstags gehen wir auf den Flohmarkt in Telleskivi 60a und sitzen dann noch in einem Cafe. Gegen Abend fahren wir zum Strand und spielen mit Michelle Ball und seitdem wir Wlan haben, können wir abends auch deutsches Fernsehen schauen. Ein großes Glück bei den Lichtverhältnissen in der Wohnung. Letzte Woche waren wir in Helsinki und morgen fahren wir nach Tartu. Helsinki ist auch eine schöne Stadt, aber besser ohne Hund. Wir haben abends kein einziges Restaurant gefunden, in dem Hunde erlaubt waren. Gott sei Dank hatten wir noch Butterbrote vom Morgen.
Ja, und da gibt es noch die unterschiedlichsten Wollhimmel und Paradiese, die ich alle ausgekundschaftet habe. Aber diesem Thema widme ich einen eigenen Blog. Auch über Restaurants und die estnische Küche möchte ich noch genauer berichten. Ein weiteres Thema, das noch zu bearbeiten wäre, ist das Reisen mit Hund.

 Flohmarkt Telleskivi 60a























Beim Frisör

Vorher









nachher       


Impressionen aus Tallinn